…soon I´ll be 30 years old…

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Tja. Ich würde mal sagen das Jahre lange Warten ist nun beendet. Dienstag werde ich 30. Obwohl ich es vielleicht nicht unbedingt als „Warten“ bezeichnen sollte – hört sich ja so an als hätte ich mich da ewig drauf gefreut. Auf dieses unausweichliche Geschehnis. Es ist jetzt aber auch nicht so, dass ich es absolut schlimm finde. Nur irgendwie ist es ja doch eine Art Wende, ein neuer Abschnitt und auch irgendwie ein Abschluss – auch wenn es eigentlich nur eine Art Übergang beschreibt. Und daher lasse ich meinen Gedanken heute mal wieder freien Lauf in diesem Blogpost und mal schauen was dabei rumkommt:

Mit 10 Jahren dachte ich: „30 ist alt. Steinalt. Mit 30 bin ich verheiratet, habe Kinder, ein Haus gebaut, ernte im eigenen Garten Äpfel, trage hübsche Kochschürzen, wie früher meine Oma immer und lese abends Bücher und mein Mann reicht mir dazu dann einen Rotwein.“ Hm. Nicht ganz.

Mit 20, gerade mitten im Abitur, war ich noch fest davon überzeugt als 30jährige Polizistin Kriminalfälle zu lösen. Das Medizinstudium hatte ich mir bereits aus dem Kopf geschlagen, denn dafür war mein NC einfach viel zu schlecht. Zwar bestand Plan B schon irgendwie aus Wartesemester sammeln und währenddessen die Ausbildung bei der Polizei zu absolvieren…aber als dann die Absage „wegen ungeradem Rücken“ kam, musste ich mir ja was anderes überlegen. Ich war damals überzeugt, dass ich die Ausbildung bei der Polizei machen würde und hatte mir für den Sommer einfach keinen Plan B überlegt. Ich nahm dann also an was gerade kam (denn eine Lücke im Lebenslauf, oder ein Jahr reisen, kam für meine Familie damals nicht in Frage) und das war eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer Kinderarztpraxis – wenigstens gleiches Gebiet, auch wenn es die andere Seite der Wunschjobmedaille war. Danach wollte ich dann das Medizinstudium anschließen. Mich zur Not einklagen. Habe dann aber mit 22 geheiratet und da es in Bielefeld keine Fakultät für Medizin gab und ich frisch verheiratet natürlich nicht alleine in eine andere Stadt ziehen wollte, hing ich den Traum an den Nagel. Und arbeitete ein paar Jahre lang, in verschiedenen Arztpraxen, als MFA. Bis ich mit 27 endlich schwanger wurde, könnte man so sagen. Apropos Kinder. Die wollte ich mit 20 auf gar keinen Fall haben. Ich war sogar überzeugt davon, niemals welche zu bekommen!

Jetzt mit 30 könnte ich nicht mehr ohne meinen Mini leben und bin mit Mini2 schwanger der im November eine vierköpfige Familie aus uns machen wird. Ich lebe tatsächlich die Vorstellung meines 10jährigen Ichs aus und bin glücklich so wie es ist. Zwar ernte ich keine Äpfel im eigene Garten und trage auch keine Schürzen, aber ich sitze abends tatsächlich mit meinem (elektronischen) Buch (Handy/Laptop/Tablet) auf dem Sofa und lasse den Tag ausklingen, derzeit zwar ohne Wein, aber das dann bald auch wieder. Kümmere mich um den Haushalt, rege mich über die Wäschesortierung meines Mannes auf… und bin angekommen. In meinem Leben. Und glücklich. Trotz der Zahl 30. Oder vielleicht gerade wegen dieser Zahl – denn dank ihr kann ich die Zwanziger abschließen.

Denn von mir aus hätte ich die Zwanziger gerne überspringen können. Ich war definitiv kein netter Mensch. Kein guter Mensch. War naiv, vor allem Anfang 20 ziemlich von mir selbst überzeugt und „nach mir die Sintflut“ hätte mein Motto sein können. Ich stand bei mir selbst an erster Stelle, kümmerte mich um nichts und niemanden, die Umwelt war mir egal und ich lebte sehr materialistisch von Tag zu Tag. Trotzdem bin ich in der Zeit mit meinem Mann zusammen gekommen (der mich dann auch noch geheiratet hat, obwohl ich den Knall nicht gehört hatte), der aus mir dann einen besseren Menschen machte. Nach und nach. Ohne ihn wäre ich definitiv nicht die Frau die ich heute bin.

Aber der Weg ist das Ziel und somit mussten diese Jahre der Selbstfindung stattfinden um zu reifen und um erwachsen zu werden. Ich denke das bin ich nun wirklich. Gereift. Und Erwachsen. Mal schauen wie ich darauf zurück blicke wenn ich 40 werde. 30 gibt nun den Startschuss ins Leben. Ins Leben als Erwachsene.

Was mich übrigens auf die Idee gebracht hat etwas zu diesem Thema zu schreiben waren ein paar Zeilen in Lukas Grahams Song „7 years“. „…Soon we’ll be 30 years old, our songs have been sold. We’ve traveled around the world (naja, ich nicht so wirklich…lediglich innerhalb Europas.) and we’re still roaming. Soon we’ll be 30 years old. I’m still learning about life…“ Und genau das ist es ja wirklich irgendwie wie man sich jetzt fühlt. So kurz vor dreißig. Irgendwie erwachsen, aber trotzdem irgendwie immer noch am lernen. Am lernen wie das Leben funktioniert und wahrscheinlich werden wir es bis zum Ende nie begreifen. Und irgendwie sind wir angekommen, haben Familie gegründet, sind glücklich – wandern aber immer noch. Kommen wir jemals an?

Es gibt da ja diese Frage nach dem Sinn des Lebens. Ich denke schon länger, dass es Sinn machen würde, dass es keinen gibt und dieses zu erkennen das wichtigste ist. Damit man ankommen kann. Sich auf das Jetzt konzentrieren kann und genießen kann. Das Leben einfach laufen lassen, sich an bestimmten Kreuzungen für den, in dem Moment, richtigen Weg zu entscheiden und einfach genießen und manchmal eben auch akzeptieren. Nicht nach dem Warum fragen.

Das waren „Wirre Gedanken, ein wenig sortiert, von meinem 29jährigen Ich“ – Vielleicht sind es aber auch nur die Schwangerschaftshormone 😉 Seid ihr bereits 30 und wie habt ihr das erlebt? Oder steht euch diese „Wende“ noch bevor und ihr macht euch bereits Gedanken darum? Teilt sie mit mir, interessiert mich sehr! 

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