Ein Jahr Janosch und Mama

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Ein paar Wochen vor der Geburt von Janosch träumte ich, dass am Morgen nach der Geburt die Welt in dicksten, weißen Neuschnee gehüllt sein wird. Als es am 07.01.16, am errechneten Geburtstermin, dann anfing zu schneien, war ich mir sicher, dass der Tag der Tage gekommen sei. Aber der Schnee taute nach ein paar Stunden wieder ab und Wehen setzten auch nicht ein.

Ihr kennt meinen Geburtsbericht, wisst, dass ich leider nicht auf das natürliche Einsetzen von Wehen warten durfte und wurde am 14.01.16 eingeleitet. Um 04:32Uhr am 15.01.16 hatten wir es dann geschafft und hielten Janosch in unseren Armen. Da ich die Nacht vorher und die Nacht der Geburt nicht geschlafen hatte, war ich völligst erledigt und brauchte nun ein wenig Erholung. Janosch schlief in seiner Wiege neben meinem Bett.

Als ich nach ein paar Stunden die Augen dann wieder öffnete war der Garten vor meinem Klinikfenster (ich hatte so eine schöne kleine, private Terrasse vor dem Zimmer!) in weißen Neuschnee gehüllt. Und er blieb liegen, ich glaube eine Woche lang. Weiß beruhigt mich; weiß ist rein, pur, ruhig. Wenn Schnee liegt ist die Welt um einen herum so viel stiller, ruhiger, zufriedener. Kennt ihr das Gefühl? Ich liebe den Schnee im Winter! Und besonders habe ich ihn an diesem Morgen geliebt. Und so wurde das Geträumte Wirklichkeit.

Das war vor einem Jahr! Ich kann es kaum fassen, wie schnell dieses Jahr an mir vorbeigerauscht ist. An uns vorbeigerauscht ist, denn meinem Mann geht es genauso. Am Anfang konnte es nicht schnell genug gehen bis die Kolikwochen endlich vorüber waren und jetzt am Ende des ersten Jahres vermisse ich dieses winzig kleine Baby, seinen Geruch, die kleinen Füße und Hände. Janosch wurde so schnell groß, zu schnell –  und wird auch jetzt immer ein Jahr älter geschätzt. Er ist schon lange kein Baby mehr.

Das erste Jahr mit Baby war voller Höhen und Tiefen!

Wir haben ein Jahr voller Höhen und Tiefen hinter uns. Es begann mit einem richtigen Tief, einer wirklich unschönen Wochenbettdepression und endet in einem absolut schönen Hoch: Ich bin mit mir und meiner Mutterrolle im Einklang und so glücklich und zufrieden wie, ich vermute mal, wie ich noch nie war. Über die Wochenbettdepression habe ich bisher nicht viel gesprochen und hier auf momazine noch nichts geschrieben. Vorerst möchte ich das auch nicht. Irgendwann vielleicht.

Ich berichte euch lieber von den schönen Zeiten die unser letztes Jahr gefüllt haben und ewig in meinen Erinnerungen bleiben werden: Wie er das erste Mal in meinen Armen eingeschlafen ist, sein erstes Lächeln. Wie ich ihn das erste Mal morgens auf der Seite liegend vorfand. Wenn er sich nachts auf den Bauch drehte und das Zurückrollen noch nicht klappen wollte und er sich darüber leicht aufregte. All die Augenblicke beim Stillen, zuhause und unterwegs. Sein Gesichtsausdruck nach dem ersten Löffel Karottenbrei war göttlich! Wie er in Bauchlage sekundenlang trainierte den Kopf hochzuhalten und danach völligst erschöpft einschlief. Seine ersten Zähne. Seine ersten Krabbelversuche. Dass er erst lernte sich am Sofa hochziehen und dran lang zu laufen bevor er richtig krabbelte. Wie seine Hände durch den Sand in Italien wühlten. Wie er mit 8 Monaten im Sommer im Pool planschte als sei er schon ein Großer. Wie er das erste Mal Mama und Papa sagte. Wie er sich über seinen ersten Luftballon, über seinen ersten Keks, seine erste Banane und seinen Abendbrei freute. Wie er dem Opa die Nürnberger vom Teller klaute und genüsslich reinbiss als er noch fast voll gestillt wurde. Unser erstes gemeinsames Weihnachten. Die Ausflüge mit ihm in der Babytrage. Die stundenlangen Spaziergänge. Ich könnte ewig weitermachen.

Zeit kann man nicht anhalten, nicht zurückdrehen und nicht noch einmal erleben. Als Mama habe ich gelernt zu genießen und dankbar zu sein. Für die Zeit. Für alles. Positiv zu denken. Prioritäten zu setzen. Mir selbst auch wichtig zu sein. Loslassen können und dem Bauchgefühl zu vertrauen.  Dass jedes Kind anders ist und dass es gut so ist! Dass man sich nicht mit anderen Müttern vergleichen sollte, die Kinder nicht vergleichen sollte und dass man sich immer mit einem Lächeln begegnen sollte. Zeit kann man nicht anhalten. Sie läuft einfach weiter. Und das ist besonders an schwierigen Tagen gut. Man kann sich gewiss sein, dass der Tag irgendwann vorüber ist. Und so gehen auch die schwierigen Phasen, die blöden Schübe im ersten Lebensjahr vorüber. Ganz von alleine. Auch das habe ich gelernt. Und dass dieses „Oje, ich wachse“ Buch nicht immer stimmen muss und vor allem, dass man sich nicht an deren Zeitleitfaden orientieren sollte. Denn das erschafft erst recht schlimme Phasen, weil man sie erwartet.

Was habe ich als Mama gelernt?

Nach einem Jahr MamaSein verstehe ich nun was früher alle damit meinten wenn sie sagten „es ist das Anstrengendste, aber auch das Schönste was ich je erlebt habe!“. Das ist wirklich so. Manchmal schippert man so nah an seinen Grenzen vorbei, dass man fast Angst hat das man es nicht schafft das Land zu erreichen. Man ist müde, erschöpft, hungrig, wahrscheinlich auch ungeduscht und man gibt alles dafür, damit das Kind glücklich, satt und sauber ist. Und dann, wenn man völligst erschöpft endlich auch ins Bett fällt, nachdem man am Abend noch die Bude geputzt, gekocht hat, Wäsche zusammen gelegt hat, hört man wie es leise im Traum „Ma-ma, ma-ma“ übt. Schnauft. Und wieder ruhig weiterschläft. Das nährt das Herz. Das beflügelt! Und all der Stress ist erstmal wieder vergessen. Und wenn es dann 5 Minuten später laut weinend aufwacht, da die Zähne drücken, dann saugt man aus dieser Erinnerung seine Energie. Oh und ich habe gelernt, dass Arme durch dieses böse Brennen, das wir abends aushalten damit das Kind auf dem Arm schlafen kann, kräftiger werden 😉

Ein Jahr Janosch. Ein Jahr Mama. Ich weiß ja nicht ob du das hier irgendwann mal lesen wirst mein liebes Söhnchen, aber ich liebe dich. Unfassbar doll. Und ich freue mich auf das nächste Jahr mit dir. Bin gespannt wann du anfängst alleine zu laufen, wann du mir das erste Mal Widerworte gibst, wann dieses Warum-Spiel beginnt und was wir zusammen erleben. Du hast aus mir einen besseren Menschen gemacht. Eine effektivere, zielstrebigere Karen, einen zufriedenen Menschen und eine selbstbewusste Frau. Du hast mich zu einer, deiner Mama gemacht. Danke! Morgen feiern wir nun also deinen ersten Geburtstag und wenn du wüsstest, dass das ganze Wohnimmer voll mit Heliumballons ist, dann würdest du da drüben wohl grade nicht so schön ruhig und zufrieden schlafen. Ich werde nun deine Torte machen die du morgen zermatschen darfst und den Akku der Kamera aufladen damit wir das Spektakel schön festhalten können! Bis morgen dann, mein Baby das nun ein Kleinkind ist.

 

6 Kommentare

  1. Oh das hast du so schön und rührend beschrieben ! Wünsche Janosch einen wundervollen Geburtstag und ein gesundes neues und aufregendes Lebensjahr ! Alles Gute 💙

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