Brief an Janosch: Du wirst großer Bruder

Janosch, heute gibt es einen Blogpost für dich. Einen Brief an dich. Du bist mein erstes Kind und wirst schon bald großer Bruder. Da gibt es Gedanken und Gefühle in mir die ich gerne mal in Worte fassen möchte, festhalten möchte und an die ich mich später einmal, vielleicht dann mit dir zusammen, erinnern möchte:

Bevor wir wussten, dass dein kleiner Bruder unterwegs ist, hast du das Wort Baby gelernt. Es war tatsächlich eins deiner ersten Worte (nach Mama, Papa und neben Banane und Ball) und wir haben es dir nicht täglich vorgesagt – irgendwie musst du das irgendwo aufgeschnappt haben und hast nicht mehr aufgehört davon zu sprechen. Das war ungefähr zwei Wochen bevor wir erfahren haben, dass ich schwanger bin – also hattest du von Anfang an recht und wusstest es scheinbar vor uns allen als erster.

Der Bauch wuchs ziemlich schnell (was unter anderem auch daran lag, dass ich noch aus der Schwangerschaft mit dir einen unbehandelten Nabelbruch hatte wodurch die Bauchdecke nicht ganz so straff zurückgebildet war wie sonst die ersten Wochen einer Schwangerschaft – das haben wir aber erst später rausgefunden) und du hast auch relativ schnell angefangen den Bauch zu umarmen und ihn „Baby“ zu nennen. Wann immer ich den Bauch eincremte, oder mich umgezogen habe hast du darauf bestanden dem „Baby“ einen Kuss zu geben. Du warst zu Anfang der Schwangerschaft und zu der Zeit die ich gerade beschrieben habe ungefähr 16 Monate alt – konntest du das alles damals wirklich schon verstehen?

Mittlerweile sind wir uns sicher, dass du es verstehst, auch wenn du jetzt erst 19 Monate alt bist, du weißt, dass du bald nicht mehr alleine mit uns sein wirst, du weißt, dass da ein Baby in Mamas Bauch heranwächst. Zumindest glauben wir, dass du es weißt. Was es bedeuten wird, dass du nicht mehr unser einziges Kind sein wirst, dass du Mama und Papa wirst teilen müssen, dass du bald alles wirst teilen und auch mal abgeben müssen – das Verständnis kommt dann wenn es soweit ist.

Wir nehmen dich zu jeder Schwangerschaftsvorsorge mit, zeigen dir deinen Bruder bei jedem Ultraschall und vor ein paar Tagen hat Mini2 dich sogar getreten als du Mamas Bauch umarmt hast. Du warst leicht verwirrt, aber nicht erschrocken. Bist trotzdem erstmal einen Schritt zurückgegangen um dann ganz schnell noch eine Umarmung hinterherzuschicken. Euer erster Kontakt. Ein Moment den ich nie vergessen werde.

Ich mache mir natürlich Gedanken darüber wie es mit zwei Kindern unter zwei Jahren sein wird. Wird die Zeit nochmal knapper oder schafft man das alles parallel? Kann man die noch größeren Wäscheberge genauso nebenbei erledigen wie bei einem einzelnen Kind? Wie lange wird es dauern bis ich Routine aufbauen kann? Oder wird das alles super klappen, da du ja mittlerweile schon in den Kindergarten gehst und es mit deinem kleinen Bruder dann quasi so ist wie mit dir damals?

Wirst du eifersüchtig sein, oder direkt verstehen? Werden wir genug Zeit miteinander und auch alleine verbringen können? Und auch: Woher soll soviel Liebe, die ich für dich empfinde, nochmal für deinen Bruder herkommen? Obwohl. Als dein Papa und ich noch alleine waren und du dich angekündigt hattest, konnte ich mir auch erst nicht vorstellen wie das mit der Liebe zu den eigenen Kindern ist. Sie ist anders und irgendwann von jetzt auf gleich da gewesen. Ohne dafür etwas tun zu müssen. Ich denke, meine Liebe wird sich somit einfach nochmal vergrößern, statt, dass ich von der zu dir etwas abzwacken muss wenn dein Bruder dann da ist.

Meine Mama hat damals schon immer gesagt „Zwei Kinder sind gut – man hat zwei Arme und zwei Hände – das passt!“. Also gehe ich ganz optimistisch einfach davon aus, dass alles gut klappen wird. Es wird sicherlich stressiger, bestimmt auch anstrengender und hier und da aber auch absolut spannend mit zwei Jungs – aber ich freue mich so sehr, wie auf nichts anderes, euch beide endlich gemeinsam sehen zu können!

Nano, du hast mich im Januar 2016 nach ein paar kleinen Startschwierigkeiten, die wir, rückblickend, sehr gut gemeistert haben, von einer Frau in eine Mutter verwandelt. Aber du hast mich auch zu einer Mama gemacht, da gibt es meiner Meinung nach nämlich einen großen Unterschied! Ich habe durch dich so viel gelernt, mich in eine gute Richtung entwickelt. Durch dich kann ich jetzt endlich stolz auf mich sein und ich liebe es deine Mama zu sein. Sein zu dürfen.

Ich liebe dich.

 

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