Schwangere Gedanken 36 Tage vor der Geburt: Babyblues

Hin und wieder muss ich mich an den Laptop setzen und einfach niederschreiben was mich gedanklich derzeit begleitet. Meistens kommen dann ziemlich persönliche Texte dabei rum, so auch heute: Es geht um Babyblues.

Ein Thema, das mich momentan sehr beschäftigt ist der Babyblues, oder, wenn man es etwas doller hat, auch postnatale Depression genannt. Nach der Geburt spielen die Hormone im Körper einer Frau nochmal mehr verrückt als eh schon die ganze Schwangerschaft über und wenn man Pech hat – und das haben leider viel mehr Frauen als darüber sprechen, ergo man es mitbekommt – dann richtet das ordentlich depressive Verstimmung an. Das kann von ein paar kurzen Momenten bis hin zu Monaten anhalten. Warum ich da jetzt gerade so viel drüber nachdenke? Ich war letztes Jahr eine von Ihnen und die Geburt meines zweiten Kindes steht kurz bevor.

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Ich erinnere mich kaum noch an die ersten Tage mit MiniJ, nach der Geburt ist quasi erstmal alles verblasst. Ich weiß zwar, dass ich 4 Tage in der Klinik blieb und dass mein Baby die meiste Zeit schlief, neben mir in seinem Bettchen lag, ich viel Besuch bekam und dass das Essen super lecker war. Aber diese Erinnerungen sind nur so schemenhaft. Aber an einen Moment an Tag drei kann ich mich ganz genau erinnern. Ich sitze abends auf meinem Klinikbett, fühle mich unfassbar alleine, sollte eigentlich der glücklichste Mensch auf Erden sein und mir laufen die Tränen nur so über´s Gesicht. Arti sitzt neben mir und versteht die Welt nicht mehr. Hätte ich an seiner Stelle auch nicht. Mir kam es einfach so vor als wäre er so unfassbar weit weg, mein Mann mit dem ich die letzten Jahre ganz viel zeit hatte, dabei saß er neben mir und wir schauten unserem kleinen, frisch geschlüpften MiniJ beim Schlafen zu. Das waren keine Freudentränen! Das war tiefe Trauer die mich überraschte, mich umwarf und mich für ein paar Wochen nicht verlassen wollte.

Darüber gesprochen habe ich so richtig eigentlich mit niemandem. Auch hier auf dem Blog habe ich es bisher quasi verschwiegen. Vielleicht haben es sich manche gedacht, vielleicht hat es die Nachsorgehebamme gemerkt – aber gesprochen haben wir nie darüber. Ich habe es einfach als selbstverständlich abgetan. Mir ging es körperlich nach der Geburt dank blöder geburtsverletzungen eh nicht so gut, dazu kam der normale Stress der ersten Wochen, der Schlafentzug… ich dachte das wäre ganz normal! Was dabei nicht normal war: Mir fehlte dieses enge Gefühl der Verbundenheit mit meinem Baby, diese riesige Liebe von der immer alle sprechen war nicht da. Klar liebte ich MiniJ von Anfang an, keine Frage. Rückblickend weiß ich jetzt aber, dass meine richtig große Liebe erst später erwachte. Und sie war es auch die mich heilte.

Vier Wochen nach der Geburt ging es mir körperlich dann schon wieder richtig gut. Obwohl ich den Zeitraum gar nicht mehr so richtig einschätzen kann. Es könnte auch länger, oder kürzer gewesen sein – auf jeden Fall fühlte es sich damals ewig lang an! Der Schlafentzug zerrte immer noch an unseren Nerven und wir waren auch definitiv noch nicht wieder richtig in der Routine drin – aber es wurde immer besser. Eines abends waren meine Eltern zu Besuch. MiniJ hatte Bauchschmerzen, schrie schon den ganzen Tag, es half einfach nichts. Lefax wollte nicht helfen, Stillen stillte nur ein paar Minuten, Bauchmassage machte ihn nur noch wilder, tragen und ablenken und summen und singen halfen auch nicht. Wärmekissen half nicht. Egal was wir ihm anboten, es hat nicht geholfen. Baden nicht, Papa nicht, Mama nicht, Fliegergriff nicht, Lavendel nicht… man probiert alles in Dauerschleife aus.

Er hat die ersten Wochen und Monate, allein schon wegen der Koliken, eh quasi komplett auf unseren Armen verbracht, tags und nachts und so auch im folgenden Moment, der mich, würde ich nun rückblickend sagen, heilte: Wir saßen im Wohnzimmer, ich stillte ihn, anschließend legte ich ihn mir mit dem Köpfchen auf meine rechte Schulter damit er sein Bäuerchen machen konnte (meine Mama war davon überzeugt, dass das sein musste… später habe ich das gar nicht mehr gemacht…), er lag quasi senkrecht auf meinem rechten Oberkörper während ich im Sofa saß. Ich wickelte eine große Hoodiejacke um uns, machte den Reißverschluss zu, er hörte mein Herz schlagen und war ganz dicht und eng an mich gekuschelt. Er schlief ein. Zum ersten Mal schlief er ein während ich ihn auf dem Arm hielt. So kam es mir zumindest vor. Es gab sicherlich vorher schon mal solche Momente. Aber dieses Mal war anders. Ich konnte es genießen. Meine Eltern gingen dann recht zeitnah und ließen uns alleine, ich glaube sie hatten es bemerkt. Und ich saß dann zwei Stunden auf dem Sofa und mein Sohn schlief in meinen Armen! Ein Moment der in mir die Wolken vertrieb und die Sonne wieder scheinen ließ! Ab dem Zeitpunkt war alles wieder ok. Ich spürte förmlich wie die Liebe sekündlich mehr wach wurde. Sie war ja schon immer da. Aber irgendwie nicht aktiviert.

Warum ich da momentan so viel drüber nachdenke? In ein paar Wochen steht die Geburt meines zweiten Kindes an. Ich strebe wieder eine natürliche Geburt an und hoffe, dass mich die Hormone dieses Mal nicht so umhauen! Ich trauere unfassbar stark den ersten Tagen mit MiniJ nach die ich damals kaum genossen habe. Kaum genießen konnte. Ich weiß ja jetzt warum das so war und hoffe einfach, dass dieses Mal alles anders ablaufen wird!

Und ich denke ich kann darauf etwas Einfluss haben! Mein Plan: Dieses Mal werde ich nur wenig und nur kurz Besuch empfangen und eigentlich auch erst wenn ich soweit bin. Familie und enge Freunde dürfen gerne kurz zum Babygucken reinschauen, aber hinsetzen gibt es nicht. Baby auf den Arm nehmen auch nicht. Und auch wenn es in der Klinik eine Nachtschwester gibt, die auf die Babys aufpasst, meiner bleibt bei mir! Ich werde auf keine anderen Meinungen hören, ich werde nur auf mein Bauchgefühl hören. Und wenn ich meine, dass ich zuhause besser genese dann werde ich mich eher entlassen. Dieses Mal weiß ich was auf mich zukommt (auch wenn es nie gleich abläuft…ihr wisst was ich meine…), dieses Mal habe ich schon ein wenig Erfahrung und dieses mal wird besser. Positives Denken gehört nämlich auch zum Plan! Und gutes Essen und Wellness. Und sich nicht stressen lassen und ALLES genießen! …denn die Tage sind lang, aber die Jahre sehr kurz.

 

Wie geht/ging es euch nach der Geburt? Solltet ihr das Gefühl haben, auch noch Monate später, dass etwas nicht stimmt, dann redet! Mit egal wem!

XXX

3 Kommentare

  1. Was bin ich nah am Wasser gebaut in den letzten Tagen! Tolle Worte, ich habe irgendwie deine Gefühle nachempfinden können. Ich hoffe, dass es dir und dem Mini II gut gehen wird und dass ihr eure gemeinsame Zeit genießen könnt. Und hör nur auf dein Bauchgefühl, keine Frau kann sagen, dass sie die perfekte Mutter ist und alle Fragen in Babyangelegenheiten beantworten kann, denn jede Frau und jedes Baby sind anders. Jede Frau ist perfekt im Zusammenspiel mit ihrem Kind, weil niemand das Kind besser versteht, als die Mutter. Die anderen müssen deinen Willen akzeptieren!

    Liebe Grüße

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