Abgestillt. Wie funktioniert das eigentlich?

Wie funktioniert Abstillen?

Letztens habe ich euch in meiner Stillgeschichte angeteasert, dass wir im November abgestillt haben.  Heute möchte ich berichten wie das ablief, was mir geholfen hat, wie lange es gedauert hat und warum ich es eigentlich anders machen wollte:

 

Wenn man „Abstillen“ googelt, bekommt man vor allem Beiträge ausgespuckt, die erklären wie man langsam peu á peu das Kind von der Brust abgewöhnt und dass es für beide, Mutter und Kind, eine emotionale Angelegenheit ist und dass man, wenn zum Beispiel wegen einer Operation schnell abgestillt werden muss, Tabletten verschrieben bekommen kann. Aber nicht, wie es praktisch funktioniert. Das habe ich wirklich nirgends gefunden. In jedem Text, den ich zu dem Thema gelesen habe, ging es um natürliches Abstillen, um die Beweggründe warum eine Mutter eventuell abstillen möchte und dass verschiedene Tees, oder Nahrungsmittel die Muttermilchproduktion vermindern können. Aber nirgends fand ich eine Art Anleitung, oder einen Leitfaden für das rein physische Abstillen, nur für´s emotionale Abstillen.

Wie stillt man ab?

Vielleicht habe ich auch die falschen Schlagworte in die Suchzeile eingegeben, aber da ich keine passenden Antworten bekam, habe ich mich, wie schon häufig seit ich Mutter bin, auf mein Bauchgefühl verlassen und intuitiv und situationsgerecht gehandelt.

Wie ihr aus meiner Stillgeschichte wisst, habe ich zwar nicht von 100 auf 0 abgestillt, aber aus verschiedenen Gründen spontan entschieden, dass nun der richtige Zeitpunkt zum Abstillen gekommen war. Wie sich dann rückblickend rausstellte, war es auch für Janosch der richtige Zeitpunkt, der es mir mit seinen Bissen ja schon eine längere Zeit versucht hat mitzuteilen, ich es aber nicht als das gedeutet hatte.

Wir hatten zu der Zeit, Mitte November, ja bereits seit Monaten nur noch nachts und zum Einschlafen gestillt und das Stillen diente ja auch schon längst nicht mehr zur Nahrungsaufnahme. Man könnte also sagen, dass er bereits physisch und emotional abgestillt war und wir dann einfach nur ein Einschlafritual gegen ein neues eintauschen mussten. Und das klappte ja auch sofort.

Nun blieb nur noch mein Abstillen übrig. Mein physisches Abstillen. Und ich fand einfach nichts im Internet. Daher möchte ich euch erzählen wie ich das dann vor ein paar Wochen gemacht habe:

Emotional abgestillt, jetzt noch physisch abstillen

Vielleicht denkt manch eine jetzt „Ja, aber ist doch ganz einfach, immer weniger Nachfrage nach der Brust bedeutet immer weniger Produktion“. Stimmt. Aber trotzdem wird Muttermilch erstmal weiterhin produziert. Irgendwann hatte ich wieder Brüste wie in den ersten Tagen nach der Geburt nach Milcheinschuss und stand kurz vor einem Milchstau! Also habe ich die Brust mit einem Körnerkissen gewärmt und anschließend so viel abgepumpt, dass es sich wieder angenehm anfühlte. Das habe ich in den ersten drei Tagen täglich gemacht. Dann alle zwei Tage, dann Mitte der zweiten Woche alle drei Tage. Abpumpen regt aber die Milchproduktion ein Stück weit auch wieder an und ich stieg dann auf eine andere Technik um. Ausstreichen. Gar nicht so einfach wenn man das noch nie gemacht hat, aber auch das kann man meistern. Es dauert aber um einiges länger als das Abpumpen – man sollte sich ungefähr eine halbe Stunde Zeit dafür einplanen (Dafür gibt es im WWW Anleitungen zu Genüge, daher verzichte ich an dieser Stelle mal auf eine). Fünf Tage später habe ich die Brust noch einmal ausgestrichen und das war dann auch das letzte Mal. Ingesamt hat mein physisches Abstillen dann also drei Wochen gedauert. Anschließend hat mein Körper ziemlich schnell die letzte noch zurückgebliebene Muttermilch resorbiert und schwups hatte ich keine Brust mehr. Beziehungsweise meine alte zurück, wenn auch ein wenig anders. Ich hatte ja ganz naiv gedacht, dass die Milch da vielleicht drin bleibt und die Fettpolster dann ausbildet aus denen die Brust vor der Stillzeit bestand. Aber nö, sie ist weg.

Zusätzlich habe ich mehrmals täglich Salbeitee und insgesamt nur so wenig wie nötig getrunken. Außerdem habe ich einen sehr engen Sport-BH getragen, denn eine eingeengte Brust signalisiert dem Körper das Gefühl von „voll, da passt nichts mehr rein“ und dadurch soll angeblich auch weniger Muttermilch produziert werden. Eine Hebamme verriet mir übrigens, dass Pfefferminztee zwar auch helfen kann, aber Salbeitee eine stärkere Auswirkung auf die Milchproduktion hat und dass man zusätzlich noch homöopathische Globulis einnehmen kann, die die Milchproduktion ebenfalls hemmen können (Welche das sind verrät euch sicherlich eure Hebamme, Gynäkologin, oder Apotheke eures Vertrauens).

Unbedingt einem Milchstau entgegenwirken!

Ja, so schwer ist das alles nun echt nicht. Aber wenn man das noch nie erlebt hat, dann weiß man einfach nicht wie es funktionieren soll, wie mann wann handeln soll und was passieren darf. Die Brust darf während der physischen Abstillphase spannen, ein bisschen ziepen und drücken, aber es darf sich kein Milchstau entwickeln und daher muss der richtige Zeitpunkt erkannt werden, wann man mit Abpumpen, oder Ausstreichen dagegen wirken sollte. Kommt es zu einem Milchstau, oder einem sehr schmerzhaften Zustand in dieser Phase, dann sollte man unbedingt zum Arzt gehen! Eine Brustentzündung soll sehr umspaßig sein, habe ich mir sagen lassen.

Aber eigentlich hatte ich mir das anders ausgemalt…

Gerne hätte ich Janosch so lange gestillt bis er irgendwann nur noch alle paar Tage mal nach der Brust verlangt hätte und irgendwann dann halt ganz unbewusst das letzte Mal gewesen wäre. Ich hatte mir immer ausgemalt, dass ich nicht diejenige bin die aktiv den Schlussstrich zieht. Dass er aktiv entscheidet wann er sich das letzte Mal stillt. Ja, so ausgedrückt beschreibt es das am besten wie ich mir das vorgestellt hatte. Letztlich hat er zwar entschieden, dass er abgestillt werden wollte, aber ich habe dann den Zeitpunkt ausgesucht. Wie immer im Leben verläuft nicht alles nach Plan, aber das ist auch gut so, denn so können passendere Wege gegangen und individuellere Entscheidungen getroffen werden! Und die sind meistens die besseren.

Wie hast du abgestillt? Magst du mir das erzählen, dann hinterlass mir gerne einen Kommentar, oder schick mir eine Mail.

4 Kommentare

  1. Bei mir/uns schlich es sich einfach nach 4,5 Jahren und der 3. Schwangerschaft langsam aus. Angekündigt hatte es sich schon lange. Das Stillen war längst weniger geworden, v.a. noch ein Einschlafnuckeln alle paar Tage. So passte es für uns beide 🙂

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